1,6 Erden, die haben wir nicht! – Der Earth Overshoot Day

Das Verhalten von uns Menschen wirkt sich auf die Umwelt aus, wie wir verreisen, was wir essen, wie wir leben – klar, das wissen wir nicht erst seit gestern. Wir leben aber deutlich über den uns gegebenen Verhältnissen … Darauf soll der Earth Overshoot Day aufmerksam machen. Hier erfahrt ihr Wissenswertes zu dem Tag, der uns an unseren Ressourcenverbrauch erinnern soll.

Was ist der Earth Overshoot Day?

Der Earth Overshoot Day, zu Deutsch „Welterschöpfungstag“, weist genau auf das hin: unsere Welt ist jetzt schon erschöpft. Wenn wir Menschen erschöpft sind, legen wir uns schlafen, dann haben wir Zeit uns komplett auszuruhen, zu regenerieren und neu Kraft zu tanken. Unsere Erde kann allerdings nicht schlafen gehen, sie ist ständig „gezwungen“, Leistung zu erbringen und das wegen uns!
Der Earth Overshoot Day ist der Tag, an dem alle nachhaltigen Ressourcen, die die Erde in einem Jahr wiederherstellen und nachhaltig bereitstellen kann, aufgebraucht sind. Das Datum wird jedes Jahr anhand verschiedenster Faktoren neu berechnet. 1987 fiel er auf den 19. Dezember, 2019 auf den 29. Juli. Diese Zahlen zeigen deutlich den drastischen Aufwärtstrend, noch vor ca. 30 Jahren haben wir die Biokapazitäten, die in einem Jahr von der Natur wiederhergestellt werden, auf knapp ein Jahr verteilt, während wir heute in einem halben Jahr die gleiche Menge an Ressourcen aufbrauchen.1 Wir verbrauchen zu schnell zu viele Ressourcen. Zwar wurde im letzten Jahr der 22. August als Datum errechnet, doch dabei bleibt es definitiv nicht. Die Corona-Pandemie hat Einfluss auf unseren Ressourcenverbrauch, im Vergleich zum Jahr 2019 wurde der globale ökologische Fußabdruck um 9,3% „kleiner“, dennoch wird das ziemlich sicher eine eher kurzfristige Verbesserung bleiben, sofern wir nichts ändern.2
„Bildlich gesprochen lebt die Weltbevölkerung derzeit so, als hätte sie 1,6 Erden zur Verfügung. Die Menschen nutzen die Natur also 1,6-mal schneller, als Ökosysteme sich generieren können.“ (https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2020-ressourcenbudget)
… 1,6 Erden, dabei haben wir nur eine Erde. Unsere Ressourcen sind endlich, so fischen wir beispielsweise schneller als sich die Bestände erholen können, roden mehr Bäume und Wälder als nachwachsen und stoßen wir viel zu viel Kohlenstoffdioxid aus als unsere Natur aufnehmen und absorbieren kann. Es muss sich also dringend etwas ändern, so dass der Welterschöpfungstag in Zukunft so weit wie möglich nach hinten verschoben werden kann.

Wie wird das Datum errechnet?

Auf den Tag genau kann das Datum natürlich nicht bestimmt werden. Dennoch wird anhand vieler Daten ungefähr bemessen, wie lang die Erde unserem Ressourcenverbrauch standhält. Diese Rechnung führt das Global Footprint Network jährlich durch. Dabei wird das Verhältnis von unserem globalen Fußabdruck, der den Ressourcenverbrauch und die Auswirkungen menschlichen Handelns darstellt, zu der globalen Biokapazität errechnet. Hierfür werden Trendlinien erstellt, die dann auf einen Jahresverbrauch hochgerechnet werden und schließlich anhand dessen die Anzahl der Tage, wie lange die Biokapazität diesem Wert standhalten kann, bemessen. Natürlich hängt der globale ökologische Fußabdruck von verschiedenen Faktoren ab und auch dieser kann nicht zu hundert Prozent exakt bemessen werden. Faktoren wie der CO2-Ausstoß oder die Rodung der Wälder werden aber genauestens auf ihre Auswirkungen untersucht und dann dort eingerechnet.3

Tipp: Ihr habt Lust, euch auch mal an einer Rechnung zu versuchen? Das Datum des diesjährigen Earth Overshoot Days wird erst am 5. Juni bekannt gegeben. Bis dahin könnt ihr an einem „Wettbewerb“ zur Errechnung des Datums teilnehmen. Den Link findet ihr hier.

German Overshoot Day 2021
Erschreckenderweise haben wir den German Overshoot Day bereits hinter uns. Das Datum wurde auf den 5. Mai errechnet und liegt damit ca. 3 Monate vor dem globalen Tag der letzten Jahre. Würden alle Menschen auf der Welt so leben wie die deutsche Bevölkerung, dann wären die Ressourcen unserer Erde für das Jahr 2021 schon jetzt, nicht mal nach einem halben Jahr, erschöpft. Wir Deutschen sind im Ranking sehr weit vorne, 2,9 Erden bräuchten wir eigentlich, wenn wir unser Konsumverhalten und den Ressourcenverbrauch weiterhin so fortsetzen. Damit liegen wir gemeinsam mit Frankreich und Japan auf Platz vier. Den erschreckendsten Wert weisen die USA auf. Würden alle Menschen so leben wie die Bevölkerung dieses Landes, bräuchten wir theoretisch 5 (!) Erden. Klar ist aber, die haben wir nicht. Genau deshalb MUSS gehandelt werden!4

Was können wir tun?
Bei der Frage „Was kann man tun?“ kommt häufig die Antwort: „Ich, als einzelne Person, kann nichts daran ändern“. Sehr wohl!. Gemeinsam kann einiges bewegt werden, indem alle ihren kleinen Beitrag leisten. Die Organisation Global Footprint Network hat dafür den Hashtag #movethedate ins Leben gerufen.5 Gemeinsam soll der Earth Overshoot Day im Kalender nach hinten verschoben werden. Dabei kann man natürlich klein anfangen, oder auch gleich groß denken. Schon Energiesparen durch den entsprechenden Stromanbieter, die passenden Lampen oder das Ziehen von Steckern und Ausschalten von Geräten sind Ansätze, um den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern. Der WWF Deutschland hat dafür eine kleine Liste zusammengestellt, wie Kleinigkeiten das Datum verändern würden. Durch nur halb so viel Autofahren und stattdessen die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Fahrrad und zu Fuß könnten uns 12 Tage mehr bringen. Genauso spielt Lebensmittelverschwendung, die ca. 9 Prozent des globalen ökologischen Fußabdrucks ausmacht, eine Rolle. Durch das Halbieren von Lebensmittelabfällen könnte der Earth Overshoot Day laut WWF um weitere 11 Tage verschoben werden. Damit sind erst zwei von vielen Beispielen genannt, die den Ressourcenverbrauch allein schon um 3 Wochen verlängern würden.6 Also let’s move the date! Lasst uns gemeinsam auf unseren ökologischen Fußabdruck achten und mit Kleinigkeiten starten.

Tipp: Schaut beim CO2-Rechner der Klima Arena vorbei, dort könnt ihr euren ökologischen Fußabdruck errechnen lassen und erhaltet im Anschluss Tipps, wie ihr die Verringerung dessen angehen könnt.


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(1) https://germanwatch.org/de/overshoot
(2) https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2020-ressourcenbudget
(3) https://www.overshootday.org/2020-calculation/
(4) https://www.overshootday.org/newsroom/press-release-germany-overshoot-day-2021-de/
(5) https://www.overshootday.org/
(6) https://www.wwf.de/earth-overshoot-day

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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

    Wissenschaftlerin mit Weltkugel in Reagenzglas
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