Corona-Pandemie – Welche Auswirkungen hat sie auf unser Klima? Part I

Seit gut einem Jahr leben wir bereits mit dem Coronavirus. Die Pandemie sorgt weltweit für einen Stillstand. Essen gehen, gemütlich mit ein paar Freund*innen zusammensitzen, gemeinsame Ausflüge, der tägliche Gang zur Arbeit – viele Dinge und Aktivitäten, die sonst so selbstverständlich und normal erschienen, sind kein Teil unseres Alltags mehr. Corona hat Auswirkungen auf uns alle, auf unser aller Alltag, aber auch auf ganze Systeme wie unsere Wirtschaft. Welche Auswirkungen hat das Virus unterdessen auf unser Klima?

CO2-Ausstoß reduziert
Das wahrscheinlich Offensichtlichste ist der Rückgang der weltweiten CO2-Emissionen. Die Rechnung ist auf den ersten Blick auch recht einfach: weniger Autos auf den Straßen, keine Urlaube oder Dienstreisen mit dem Flugzeug und stillgelegte Fabriken bedeuten weniger Treibhausgase. Im März 2020 lässt sich diese These bereits in den damaligen Corona-Hotspots China und Italien erkennen. Satellitenaufnahmen zeigen eine wesentliche Luftverbesserung über beiden Ländern.1 Auch die Europäische Umweltagentur EEA liefert Zahlen aus europäischen Großstädten wie Mailand, Madrid und Barcelona, die auf einen klaren Abwärtstrend der Luftverschmutzung durch Treibhausgasemissionen hinweisen. Verglichen mit März 2019 verringerte sich hier das CO2-Level um 21%, 41% und sogar 55%.2 Für das erste Halbjahr von 2020 stellte das Potsdam Institut für Klimaforschung (PIK) durch eine Studie einen Rückgang von mehr als einer Milliarde Tonnen CO2 in der Atmosphäre fest. Das ist sowohl auf die Corona-Krise als auch auf den milden Winter und damit weniger Heizkosten zurückzuführen. Die größte Verringerung liegt laut Forschern am Verkehr. Durch Lockdowns bleiben die Menschen weltweit zu Hause. Online-Meetings sind zwar nicht schadstofffrei, weisen nichtsdestotrotz aber eine Senkung der Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu Dienstreisen auf.3 Autos und Flugzeuge sind deutlich seltener unterwegs. Daniel Kammen von der University of California in Berkeley sprach von weltweit 40% weniger CO2-Emissionen durch weniger Verkehr. 4 Ende 2020 ließ sich sogar eine Senkung des CO2-Ausstoßes um 2,4 Milliarden Tonnen feststellen. In den USA und in Europa war der Rückgang mit 12% und 11% besonders hoch.5 Deutschland erreichte somit sein Klimaziel, die Reduktion seines CO2-Ausstoßes um 40%, für dieses Jahr.6,7

Positiver Effekt bleibt wahrscheinlich kurzfristig

Was durch diverse Studien und Zahlen erst einmal als positive Nebenwirkung der Covid-19-Pandemie erscheint, weist allerdings auch Schattenseiten auf. Laut Forschern zeichnet sich der CO2-Rückgang nämlich hauptsächlich in Zeiten des kompletten Stillstands ab. Die Verbesserung unserer Emissionen sind sehr stark an die Lockdown-Zeiträume gebunden und daher von kurzer Dauer.4 Nicht nur nach Lockdown-Perioden sollen die Zahlen wieder hochschnellen, vor allem für die Zeit nach der Krise prognostizieren Forscher eine rapide Zunahme der Treibhausgasemissionen.8 Demnach soll das Kohlenstoffdioxid-Niveau nach der Krise wieder den gleichen Wert wie davor erreichen oder sogar darüber hinaus ansteigen.4 Außerdem geraten Konzerne immer mehr unter finanziellen Druck. Das könnte zur Folge haben, dass bei der „Wiedereröffnung“ sämtliche Umweltbestimmungen in den Hintergrund geraten. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, kann der Umweltschutz an Priorität verlieren.9 Allerdings ist das in keinem Fall ein Muss. Der Mythos, dass nach einer solchen globalen Krise der Aufbau der Wirtschaft nicht mit Umweltschutz in Einklang zu bringen ist, ist unbegründet. Von 2010 bis 2019 gehen beispielsweise in mehreren Staaten (Deutschland, Großbritannien, USA, Japan) die CO2-Emissionen trotz wachsender Volkswirtschaften zurück.5

Plastikmüll, schützende Masken als Gefahr und übermäßiger Online-Handel
Ein riesiges Problem, das leider häufig nicht gesehen wird, ist die Zunahme von Plastikmüll. Im Sommer 2020 wird mit einem um 2,26 Millionen Tonnen erhöhten Müllaufkommen in privaten Haushalten in Deutschland gerechnet.10 Alleine das Tragen von Masken und Einweghandschuhen, das Verwenden von Desinfektionsmitteln und die Verpackungen von Essen to-go sorgen für Unmengen an Plastikmüll.11 Doch damit nicht genug, die für uns nichtmehr wegzudenkenden „Alltagsaccessoires“ werden häufig fehlerhaft entsorgt, landen nicht nur im Hausmüll, sondern auch auf den Straßen und im Meer. Die für uns aktuell unumgängliche, schützende Maske stellt im Ozean allerdings eine große Gefahr dar. Sie verschmutzt nämlich nicht nur unsere Weltmeere, sondern wird Meereslebewesen und Vögeln zum Verhängnis. Vor allem die Gummizüge, die wir um unsere Ohren spannen, verheddern sich leicht in Flossen, Flügeln und Füßen.12 Die große Gefahr aktuell ist, dass genau solche Umweltprobleme durch die anhaltende Gesundheitskrise missachtet und vergessen werden. Waldzerstörung, Brände und andere Umweltsünden und -katastrophen sind bereits zweitrangig geworden.13 Für mehr Verpackungsmüll sorgt außerdem das vermehrte Online-Shopping. Durch die Corona-Pandemie erlebt der Online-Handel einen erneuten Boom. Gerade große Händler wie Amazon profitieren davon. Das hat nicht nur die Schwächung der kleineren, regionalen Unternehmen zu Folge, sondern schädigt auch unsere Umwelt. Jede Bestellung wird schließlich einzeln verpackt und verschickt. Durch Massenproduktion, längere Transportwege, riesige Mengen an Warenretouren und die meist direkte Entsorgung von Zurückgeschicktem fällt die Umweltbilanz des Online-Handels deutlich schlechter aus als die des stationären, vor allem in dem aktuell betriebenen Maß.14
Auf den zweiten Blick fällt also auf, Corona bringt im Bezug auf Treibhausgasemissionen vielleicht eine kurzfristige Verbesserung, langfristig gesehen wird sich dieser Trend aber wahrscheinlich nicht fortsetzen, es sei denn, es wird entsprechend gehandelt. Außerdem bringt die Pandemie viele weitere Umweltschäden mit sich und bleibt natürlich weiterhin eine gesundheitliche Bedrohung für Menschen und Tiere.

Wir können aus der Krise lernen!
Die Corona-Krise zeigt uns immer mehr was passiert, wenn wir weiterhin rücksichtslos mit unserem Planeten umgehen. Dann sind Pandemien wie diese nämlich bald keine Seltenheit mehr. Genauso zeigt sie aber, dass wir Menschen in der Lage sind, mit Krisen umzugehen und schnell zu handeln. In nur einem Jahr wurde das Virus in seinen Bestandteilen ergründet und ein Impfstoff entwickelt. Wir können Krisen analysieren und sie bewältigen oder ihre Auswirkungen zumindest verringern. Wenn wir die gleiche Geschwindigkeit und Beharrlichkeit, die wir zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie zeigen, auch in der Klimakrise anwenden würden, wären wir sicher einen Schritt näher am 1,5-Grad-Ziel und der Rettung unserer Umwelt. Nun ist es wichtig, dass wir unsere Möglichkeiten auch für die Bewältigung der Klimakrise nutzen und vor allem diese nicht in Vergessenheit gerät.13

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(1) https://www.tagesschau.de/faktenfinder/coronavirus-auswirkungen-klima-101.html
(2) https://www.eea.europa.eu/highlights/air-pollution-goes-down-as
(3) https://www.spektrum.de/news/online-meetings-schuetzen-das-klima/1836925
(4) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/corona-klima-verkehr-101.html
(5) https://www.tagesschau.de/ausland/cozwei-rueckgang-corona-101.html
(6) https://www.dw.com/de/corona-krise-deutschland-schafft-klimaziel-für-2020-pandemie-merkel-deutschland-co2-covid-19/a-52862238
(7) https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/verfehlt-deutschland-sein-klimaziel-2020/
(8) https://www.welt.de/kmpkt/article206636849/Coronavirus-Positive-Folgen-fuer-das-Klima-und-die-Umwelt.html
(9) https://detektor.fm/wissen/mission-energiewende-coronavirus-und-das-klima
(10) https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/23138-rtkl-klima-und-pandemie-was-macht-corona-mit-der-umwelt-diese-sechs
(11) https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-plastikmuell-muellaufkommen-100.html
(12) https://www.dw.com/de/was-vor-corona-schützt-wird-für-die-umwelt-ein-problem/a-53217831
(13) https://www.spektrum.de/kolumne/mit-mut-gegen-klimawandel-artensterben-und-corona/1809242
(14) https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/nachhaltigkeit/ist-onlinehandel-gut-fuer-die-umwelt-es-spricht-viel-dagegen-26661









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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

    Wissenschaftlerin mit Weltkugel in Reagenzglas
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