Überflutete Stadt nach Hochwasserkatastrophe

Flutkatastrophe in Deutschland – Ist der Klimawandel schuld?

Mitte Juli dominieren schockierende Bilder unsere Nachrichten: Wassermassen, die durch Ortschaften strömen und Autos, Häuser und Bäume mit sich reißen. Deutschland wurde zum Opfer einer Hochwasserkatastrophe. Stark betroffen ist beispielsweise der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, dort verlieren die meisten Bewohner*innen ihren gesamten Besitz. Wie aber kommt es zu einer solchen Naturkatastrophe? Ist etwa der menschengemachte Klimawandel verantwortlich dafür? Und wie können wir uns künftig vor einer Tragödie dieser Art schützen?

Kurzzusammenfassung der Ereignisse
Das Tief „Bernd“, das über mehrere Tage hinweg für den Starkregen sorgte, verwüstete vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Aber auch Sachsen, Bayern und Thüringen sowie unser Nachbarland Belgien hatten mit Unmengen an Regenwasser und Fluten zu kämpfen. Den Höhepunkt erreichten die Ereignisse am 14. Juli. Insgesamt verloren mehr als 180 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ihr Leben, einige werden noch immer vermisst.1 Experten sprechen von einem „Jahrhundertregen“.2

Wenn ihr euch für den meteorologischen Verlauf der Flutkatastrophe interessiert, findet ihr hier eine chronologische Ansicht.

Folge der Klimakrise?
Die verheerenden globalen Folgen der Klimakrise sind schon längst bekannt und an vielen Orten bereits deutlich spürbar. Wir in Deutschland sind dabei im Vergleich zu anderen eher noch verschont geblieben. Dennoch gibt es auch bei uns immer wieder Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse. Gehen diese wirklich auf das Konto des Klimawandels?

Das häufig genannte Gegenargument von Klimaleugner*innen „Naturkatastrophen gab es bereits vor dem Klimawandel“ stimmt natürlich. Allerdings hat sich die Zahl der Naturkatastrophen zwischen 2000 und 2019 gegenüber der letzten 20 Jahre nachweislich mehr als verdoppelt.4

Klar ist also, extreme Wetterlagen treten immer häufiger auf. Das hat einen ziemlich einfachen Grund. Unsere Atmosphäre erwärmt sich, dadurch kann sie mehr Wasser aufnehmen.5 „Pro Grad Erwärmung kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen und dann auch abregnen“ erklärte Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam. Zu einer solchen Naturkatastrophe kommt es aber erst dann, wenn extrem große Mengen an Regenwasser über einen längeren Zeitraum an einem festen Ort abgelassen werden. Dafür ist unsere Höhenströmung, der Jetstream verantwortlich. Und auch dieser wird vom Klimawandel beeinflusst.6 Der Jetstream ist ein Starkwindband, das dafür sorgt, Druckunterschiede in der Atmosphäre, die durch die Temperaturunterschiede von den beiden Polen zum Äquator entstehen, auszugleichen. Durch den Klimawandel ist das Temperaturgefälle zwischen Tropen und Arktis allerdings geringer, was zur Verlangsamung des Jetstreams führt. Außerdem setzt er sich, durch die schnellere Erwärmung der Kontinente gegenüber den Ozeanen, nicht mehr geradlinig fort.7 Hochs und Tiefs bleiben als Folge dessen länger auf einer Stelle, sie verteilen sich nicht mehr über mehrere Regionen, sondern lassen lokal alles ab. Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Stürme sind dadurch meist Lokalereignisse, die eine bestimmte Region besonders und vor allem besonders stark betreffen.

Wie können wir uns anpassen?

Die einfachste Antwort, wenn man der Annahme, dass der Klimawandel Grund von vermehrten Naturkatastrophen ist, folgen mag, ist natürlich der Schutz des Klimas. Die Maßnahmen dafür sind bereits bekannt und können auf großer wie auch auf kleinerer, privater Ebene angewendet werden und funktionieren. Was aber kann abgesehen von den Dingen, die wir sowieso für Klimaschutz generell tun sollten, getan werden, um die Menschen vor einer solchen Katastrophe zu schützen?

Zunächst gilt es, vor allem Regionen an Flussbetten und damit stärker betroffenen Regionen, zumindest bei Hochwasser, vorzubereiten und somit zu schützen. Eine recht simple Maßnahme ist die Reduzierung der Bodenversiegelung. Somit kann überflüssiges Wasser besser versickern. Außerdem kann man natürlich dezentrale Rückhaltebecken und Überflutungsplätze schaffen, ganz nach dem Prinzip „Rückhalt von Wasser in der Landschaft, wo immer es möglich ist“. Auch die Bauweise von Häusern kann angepasst werden. Viel wichtiger ist es laut Daniel Bachmann, Bauingenieur und Professor für Hochwasser-Risikomanagement, allerdings weniger auf technische und eher auf natürliche Maßnahmen zu setzen. „Wir müssen der Natur auch wieder mehr Raum geben“, ein Vorschlag dafür wäre, einige Häuser gar nicht erst wieder an Ort und Stelle aufzubauen und dafür natürliche Überflutungsflächen freizuhalten. Außerdem sollte man Wälder wieder aufforsten, das erhöht die Speicherkapazität der Wälder.8 Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten um gefährdete Gebiete sicherer zu machen, klar ist aber, dass wir nicht beeinflussen können, wie lange und wie stark ein Wetterereignis anhält. Wichtig für die vor Ort lebenden Menschen sind daher ziemlich genaue und frühzeitige Warnsysteme.

Ereignisse wie dieses sind immer wieder erschreckend, ganz egal ob bei uns in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt. Dennoch sollten wir diese Warnsignale der Natur nutzen. Wir werden ziemlich sicher nie die gesamte Macht über Naturkatastrophen haben, aber wir können die Gefahr zu unserem eigenen Schutz minimieren. Es liegt immernoch in unserer Hand wie wir mit dem Planeten umgehen und was wir hinterlassen möchten. Jetzt sollte wieder einmal klar geworden sein, bei der Bewältigung der Klimakrise geht es nicht nur um den Schutz unserer Umwelt, sondern auch um unseren eigenen Schutz.


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(1) https://www.tagesschau.de/inland/hochwasser-opfer-101.html
(2) https://www.sueddeutsche.de/panorama/hochwasser-wetter-klimawandel-1.5368382
(3) https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/meteorologische-chronologie-der-flutkatastrophe-im-westen-deutschlands-im-juli-2021/
(4) https://www.tagesschau.de/ausland/naturkatastrophen-klimawandel-101.html
(5) https://www.swr.de/wissen/hochwasser-wetterextreme-werden-wegen-des-klimawandels-haeufiger-100.html
(6) https://www.br.de/nachrichten/wissen/hochwasser-durch-klimawandel-ist-das-noch-wetter-oder-schon-klimawandel,SdJcE9h
(7) https://www.br.de/wissen/jetstream-wetter-klima-extremwetter-ozon-100.html
(8) https://www.n-tv.de/panorama/Ahrweiler-wieder-aufbauen-aber-wie-article22723280.html

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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

    Wissenschaftlerin mit Weltkugel in Reagenzglas
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