One Planet Summit – nur „leeres Gerede“?

Bis 2030 sollen 30 Prozent unseres Planeten und seiner Meeres- und Landfläche geschützt sein. Zu diesem Entschluss kamen mehr als 50 Staaten, die sich zum One Planet Summit, der am 11. Januar 2021 aufgrund der weltweiten Pandemie größtenteils online stattfinden musste, kürzlich trafen.1 Ausgerichtet wurde er von Frankreich, den Vereinten Nationen und der Weltbank. Der Schutz unserer Artenvielfalt stand hoch im Kurs. Auch Angela Merkel war nur über ihren Laptop zugeschaltet und stellte selbst auch die Forderung, die biologische Vielfalt zu wahren.2

Es gibt Ziele, wenn auch nicht viele…

  1. Bis 2030 sollen 30 Prozent unserer Meeres- und Landesflächen geschützt sein
    (High Ambition Coalition for Nature and People)

  2. Verhinderung der Ausbreitung von Pandemien und Infektionskrankheiten

  3. Unterstützung des Projekts „Große Grüne Mauer“ in der Sahelzone

  4. Schnellere Umsetzung des Pariser Abkommens

    (Was genau im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde, könnt ihr hier nochmal nachschauen)

High Ambition Coalition for Nature and People – Deutschland tritt bei
Über 50 Staaten verpflichteten sich zum Schutz der Biodiversität, von Ökosystemen und vor allem von 30 Prozent unseres Planeten bis 2030. Auch Deutschland tritt der von Frankreich, Costa Rica und Großbritannien geleiteten Initiative bei. „Mit dem Bekenntnis zum 30-Prozent-Ziel muss Deutschland jetzt auch deutlich tiefer in die Tasche greifen, um die Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels unter Anerkennung und Unterstützung der Rechte indigener Völker zu unterstützen“, sagte Georg Schwede, Europachef von Campaign for Nature.3 Die High Ambition Coalition for Nature and People soll den Zusammenbruch der natürlichen Systeme verhindern, und damit unsere Nahrung, sauberes Wasser, saubere Luft und ein stabileres Klima liefern. Mit dem Beitritt verpflichten sich die Länder zur Erhaltung und zum Schutz der „natürlichen Welt“. Das Erreichen dieser Ziele soll wiederum soziale und wirtschaftliche Vorteile für die Gesellschaften weltweit haben.4

Programm „Prezode“ soll die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und Pandemien verhindern
Dass das Schlagwort „Pandemie“ im Zusammenhang mit dem etwas anderen, digitalen Klimagipfel fällt, war wahrscheinlich abzusehen. Aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie rutschte das Thema Pandemie-Prävention auf die Agenda des One Planet Summits. „Wenn wir nicht dringend handeln, um unsere Natur zu schützen, stehen wir vielleicht schon vor einer Ära von Pandemien“, lautete ein Statement der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.5 Denn nicht nur Corona ist eine gesundheitliche Bedrohung. Weltweit breiten sich Tropenkrankheiten durch die Klimakrise weiter aus. Aufgrund von Temperaturveränderungen und dem immer stärkeren Eindringen der Menschen in den natürlichen Lebensraum von Wildtieren können Krankheitserreger in ganz neue Gebiete vordringen.6 Durch das Programm „Prezode“ soll die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und Pandemien verhindert werden. Dabei soll die bestehende Zusammenarbeit zwischen den Regionen der Welt, die am stärksten von neu auftretenden Infektionskrankheiten betroffen sind, gestärkt werden. Gemeinsam werden dadurch sich anbahnende Pandemien und gesundheitliche Bedrohungen besser bewertet und erkannt – und es können frühzeitig präventive Maßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung vorgenommen werden.7

Die „Große grüne Mauer“ soll endlich „gebaut“ werden
Ein großer Schwerpunkt der Zielsetzung liegt auf Afrika. Hier ist ein großes Umweltprojekt in der Sahelzone ins Stocken geraten. Jetzt soll es mit knapp 12 Milliarden Euro von verschiedensten Ländern unterstützt werden. Das Projekt „Große grüne Mauer“ soll, laut Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Afrikas Vorbereitung auf 2030 sein. In der Sahelzone sollen tausende Kilometer von Bäumen gepflanzt werden und sich, wie ein grünes Band von Dakar bis Dschibuti, durchs Land ziehen. Dadurch soll die Wüstenbildung der Sahara gestoppt werden. Außerdem erhoffen sich die Vereinten Nationen durch diese Maßnahme eine Vorbeugung von Dürren und Hungersnöten in der stark von der Klimakrise betroffenen Region.8 Das Projekt gibt es bereits seit 2005 – bisher ist jedoch wenig passiert. Es wird sich zeigen, ob die Sahelzone nun endlich den lang ersehnten Grünstreifen zu Gesicht bekommt.

Kritik und Lob: Greta kontra Greenpeace
Natürlich blieben auch bei diesem Zusammenkommen zum Thema Klimaschutz und Klimapolitik keine externen Stimmen und Meinungen aus. Greta Thunberg zeigte sich gegenüber der Zielsetzung der Nationen ziemlich genervt und übte Kritik. So schrieb sie auf Twitter „Blabla Natur, Blabla wichtig, Blabla ehrgeizig, Blabla grüne Investitionen, Blabla grüne Möglichkeiten, Blabla grünes Wachstum […]“. Sie ist der Meinung, das alles sei nur „leeres Gerede“ und fordert, dass endlich gehandelt wird. Positiv gestimmt äußerte sich hingegen Greenpeace mit diesem Statement: Es sei der „Multilateralismus, den wir brauchen, wenn wir die biologische Vielfalt schützen und uns vor zukünftigen Pandemien schützen wollen“.9

Tatsächlich leeres Gerede?
Bei der Frage, inwiefern die Ziele diesmal umgesetzt werden, scheiden sich die Geister. Möglicherweise hat die Pandemie, in der wir uns befinden, Politiker*innen die Augen geöffnet. So scheint es zumindest, denn die Initiativen zielen klar auf den Schutz von Menschen und des Planeten ab. Schlussendlich sind die „hohen Tiere“ unserer Länder selbst dafür verantwortlich, wie sie ihre Ziele umsetzen und vor allem ob Worten Taten folgen. Eine länderübergreifende Allianz kann mit dem Willen etwas zu verändern eine Möglichkeit sein, um die Ziele verbindlich umzusetzen und Hoffnung zu schaffen. Wir können trotzdem weiterhin unseren eigenen Teil zum Klimaschutz beitragen und ein Zeichen setzen, indem wir eigene Ideen und Zukunftskonzepte entwickeln und sie in der Gesellschaft etablieren.

Wir, die PRIO1-Community, sind weiterhin motiviert, gemeinsam an den Zukunftskonzepten für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft zu arbeiten!
Wenn auch ihr Teil unseres Klima-Netzwerkes werden und Ideen und Konzepte einbringen und umsetzen möchtet, registriert euch bei der PRIO1-Community!



[1] https://www.swp.de/politik/ausland/klimagipfel-one-planet-summit-klimagipfel-_one-planet-summit_-zum-schutz-der-artenvielfalt-in-paris-54354947.html
[2] https://www.tagesschau.de/ausland/klima-un-paris-101.html
[3] https://www.naturefund.de/artikel/news/klimagipfel_one_planet_summit
[4] https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/gesundheitsrisiken/warnsignal_klima-gesundheitsrisiken-kapitel-3_2_1.pdf
[5] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2021-01/one-planet-summit-klimagipfel-frankreich-afrika-gruene-mauer-projekt
[6] https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/gesundheitsrisiken/warnsignal_klima-gesundheitsrisiken-kapitel-3_2_1.pdf
[7] https://www.cirad.fr/en/news/all-news-items/press-releases/2021/prezode-preventing-pandemics
[8] https://www.tagesschau.de/ausland/klima-un-paris-101.html
[9] https://www.tagesschau.de/ausland/klima-un-paris-101.html

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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

    Wissenschaftlerin mit Weltkugel in Reagenzglas
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