Revolution der Klimatechnik? – Der Green Cooling Summit 2021

Juni 2021, langsam aber sicher hat uns nun die Sommerhitze erreicht. Wer bei 30 Grad und praller Sonne durch die Stadt läuft, freut sich insgeheim doch manchmal darüber, ein klimatisiertes Geschäft zu betreten. Vergessen wird dabei allerdings häufig, dass unsere Klimatechnik alles andere als umweltfreundlich ist, egal ob Supermarktkälte, Gebäudeklimatisierung oder die Klimaanlagen in Auto, Bus und Bahn. „Der Kältesektor wird als Verursacher von Treibhausgasen bislang wenig berücksichtigt, obwohl er aufgrund steigender Nachfrage nach Kühlung weiter an Bedeutung gewinnt.“ 1 Vom 25. bis zum 27. Mai fand aufgrund dessen der Green Cooling Summit 2021 statt. Bei dem internationalen digitalen Treffen stand in erster Linie der Ausstieg aus klimaschädlichen teilfluorierten Kohlewasserstoff-Techniken (HFKW), die vor allem in der Kälte- und Klimatechnik angewendet werden, im Fokus.

Was ist der Green Cooling Summit?
Der Green Cooling Summit wurde von der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Umweltbundesamt (UBA) im Auftrag des Bundesumweltministeriums veranstaltet. Bei der virtuellen Veranstaltung nehmen Vertreter*innen aus verschiedenen Nationen Teil. Ziel des Ganzen ist es, den Beschluss von Kigali zum Montrealer Protokoll, in dem es um den Schutz der Ozonschicht geht, umzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden vor allem folgende Fragen behandelt: Welche politischen Schritte wurden von den einzelnen Ländern bereits unternommen? Wie kann der Ausstieg aus klimaschädlichen Methoden wie HFKW gelingen? Welche klimaschonenden Alternativen stehen zur Verfügung? 2 Die Teilnahme am Green Cooling Summit ist kostenlos und auch für die Zivilgesellschaft zugänglich. Das Programm bietet neben dem klassischen Austausch auch interessante Beiträge oder Vorträge zu alternativen Lösungsansätzen. Außerdem sind dort nicht nur politische Vertreter*innen präsent, sondern auch Behörden und Unternehmen, die als Endkunden gegenüber der Kälte/Klimabranche auftreten sowie Vertreter*innen wissenschaftlicher Einrichtungen.3

Der Beschluss von Kigali – eine Zusammenfassung
Am 15.10.2016, beim 28. Treffen zum Montrealer Protokoll (Tipp: Hier geht es zu einer Zusammenfassung des zeitlichen Ablaufs des Montrealer Protokolls, auf Seite 5-13 findet ihr einen Zeitstrahl) wurde der Beschluss von Kigali in Kigali, Ruanda aufgesetzt. Dabei geht es darum, den Verbrauch von HFKW vor allem in der Klimatechnik bis 2047 um 80% heruntergefahren zu haben. Klimaschädliche teilfluorierte Kohlenwasserstoffe verursachen ozonschichtschädigende Treibhausgase und sollen daher dringend stark reduziert und durch klimafreundlichere Alternativen ersetzt werden. Diese Reduktion soll schrittweise durch Einhaltung einer zuvor angelegten Tabelle (die Tabelle findet ihr hier auf Seite 2 des Dokuments) erfolgen und sowohl von Industrie- als auch Entwicklungsländern durchgeführt werden. Durch den Schutz der Ozonschicht könnte, laut Wissenschaftler*innen, ein globaler Temperaturanstieg von bis zu 0,5 Grad bis 2100 verhindert werden.4

Was sind die Alternativen zu fluorierten Treibhausgasen?
„Green Cooling“ ist die aktuell umweltfreundlichste Art, unseren Planten zu kühlen. Sie besteht aus zwei wichtigen Prinzipien: der Einsatz natürlicher, halogenfreier Kältemittel in Kombination mit hoch energieeffizienten Geräten und Gebäuden. Natürliche Kältemittel sind im Gegensatz zu künstlichen Kältemitteln wie HFKW Stoffe, die in der Natur vorkommen.5
Die „Natural 5“ sind CO2, Ammoniak, Wasser, Luft und Kohlenwasserstoffe wie Propan, Isobutan und Propen/Propylen. Die natürlichen Stoffe haben gegenüber den künstlichen nur Vorteile. Zum einen sind sie logischerweise wesentlich klimafreundlicher. Sie haben ein geringes Treibhauspotenzial und kein Ozonabbaupotenzial. Zum anderen ist die Entsorgung oder Wiederverwendung nach dem Einsatz in der Klimatechnik wesentlich einfacher als die der künstlichen Kältemittel. Zuletzt sind die „Natural 5“ auch noch kostengünstiger als synthetisch hergestellte Kältemittel. Sie werden für eine Vielzahl von Anwendungen in Massenproduktion hergestellt und können in einigen Fällen auch als Nebenprodukte aus anderen Prozessen gewonnen werden, damit sind sie in unbegrenzter Menge verfügbar. Werden natürliche Kältemittel in entsprechend energieeffizienten Geräten eingesetzt, können die bisherigen Emissionen durch HFKW stark reduziert werden. Diese sind nämlich in Teilen auch auf z.B. undichte Gerätschaften zurückzuführen. Außerdem verbrauchen viele Klimatechniken zu viel Energie, weil sie beispielsweise keine klimafreundliche Stromquelle haben. Energieeffiziente Geräte und Gebäude sind daher diejenigen, die einerseits eine gute Dichtung und andererseits erneuerbare Energien als Stromquelle haben. Im Zusammenspiel mit den natürlichen Stoffen sind sie aktuell die beste Alternative, die wir in der Kälte-/Wärmeindustrie haben.6,7

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(1) https://www.international-climate-initiative.com/de/details/project/green-cooling-initiative-ii-16_I_266-517
(2) https://www.green-cooling-initiative.org/news-media/news/news-detail/2021/03/31/green-cooling-summit-2021-registration-open
(3) https://www.umweltbundesamt.de/service/termine/internationale-konferenz-green-cooling-summit
(4) https://ozone.unep.org/sites/default/files/2020-01/FAQs_Kigali_Amendment.pdf
(5) https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/fluorierte-treibhausgase-fckw/anwendungsbereiche-emissionsminderung
(6) https://www.kaeltemittel-info.de/informationen/kaeltemittel/das-richtige-kaeltemittel-ist-klimafreundlich/
(7) https://www.green-cooling-initiative.org/green-cooling/technology

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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

    Wissenschaftlerin mit Weltkugel in Reagenzglas
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