Tofu vs. Fleisch – Wer macht das Klimarennen?

Fleisch als Energie- und Nährstoffquelle ist bereits seit Beginn der Menschheit eine der wichtigsten Nahrungsquellen. Wo früher keine Alternativen zu finden waren gibt es heute Unmengen an pflanzlichen Alternativen, um trotzdem die nötigen Nährstoffe aufzunehmen. Dennoch ist der jährliche Fleischkonsum in den letzten 20 Jahren weiterhin angestiegen. 2018 erreichte der weltweite Konsum des Luxusgutes 360 Millionen Tonnen, doppelt so viel wie 20 Jahre zuvor. Vor allem die Industrienationen haben dabei einen großen Anteil.1 Allein in Deutschland werden jährlich 60 kg Fleisch pro Kopf konsumiert, das sind mehr als 1kg pro Kopf pro Tag.2 Mittlerweile sind allerdings auch die Gegenstimmen immer lauter geworden, der Trend entwickelt sich immer weiter hin zu einer gesunden, ausgewogenen und gegebenenfalls vegetarischen Ernährung. Pflanzliche Alternativen reichen dabei von Gemüse über Hülsenfrüchte bis hin zu Soja- und Weizenprodukten. Aber sind diese Produkte wirklich so viel gesünder und klimafreundlicher als der vermeintliche Klimakiller Fleisch? Wir haben für euch einen Vergleich zwischen dem Sojaprodukt Tofu und verschiedenen Fleischsorten aufgestellt.

Ökobilanz – was ist das eigentlich?
Um der Frage der Ökobilanz nachzugehen sollte man sich verschiedene Indikatoren für Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln anschauen. Beim erstellen der Ökobilanz eines bestimmten Produktes, einer Dienstleistung oder eines Verfahrens werden alle umweltrelevanten Vorgänge und Daten erfasst und bewertet. Deswegen wird sowohl auf die Produktion, den Wasserverbrauch, den Boden, die Luftverschmutzung und, je nach Produkt, auf weitere Umweltmedien geachtet. Die Ökobilanz soll zur Prozessbewertung und schließlich zur Verbesserung einer nachhaltigen Produktion beitragen und außerdem eine Entscheidungshilfe darstellen.3

Tofu vs. Fleisch
Wie bereits erwähnt kommt es bei der Bewertung der Klimafreundlichkeit der beiden Lebensmittel auf verschiedene Faktoren an. In Puncto Wasserverbrauch ist dabei ein klarer Sieger auszumachen. Schaut man sich den Vergleich von Tofu und Rindfleisch an, sieht man, dass 1kg Rindfleisch ungefähr 15000l Wasser benötigt, dabei hat das Tier noch nicht einmal etwas gegessen und getrunken. Insgesamt liegt die CO2-Bilanz für 1kg Rindfleisch bei ca. 13,3 kg. Für die Herstellung von Tofu hingegen liegt der Wasserverbrauch bei 1kg bei ungefähr 3000l. Damit wird allein zur Herstellung der gleichen Menge 5-mal so viel Wasser für das Rindfleisch wie für den Tofu verbraucht.4 Wichtig bei der Berechnung der CO2-Bilanz von Tofu ist allerdings, woher die dafür notwendigen Sojabohnen kommen. Brasilien ist beispielsweise eine der größten Soja-Anbaunationen und erzeugt jährlich ca. 90 Millionen Tonnen.5 Ein Großteil dieser Sojabohnen wird zwar für die Tierfütterung verwendet, wer aufgrund von Umweltaspekten auf Fleisch verzichten und zum alternativen Sojaprodukt greifen möchte, sollte bei seiner Wahl dennoch unbedingt auf die Herkunft achten, denn durch den Import der Bohne aber vor allem durch die Schaffung neuer Anbauflächen in Ländern wie Brasilien können auch hier immense Klimaschäden entstehen.

Neben den Umweltfaktoren lassen sich die beiden Kontrahenten natürlich auch hinsichtlich ihrer Nährstoffe unterscheiden. Fleisch, insbesondere Rindfleisch, hat einen hohen Gehalt an dem für uns Menschen wichtigen Vitamin B12, das an vielen wichtigen Prozessen, wie beispielsweise der Blutbildung in unserem Körper, beteiligt ist.6 Außerdem enthält Fleisch viele Proteine. Die Eiweiße liefern hauptsächlich die Grundbausteine für Muskeln, Organe und Blut und tragen zum Beispiel zur Immunabwehr bei.7 Für Vegetarier*innen oder sogar Veganer*innen gilt daher beim Verzicht auf Fleisch, diese Nährstoffe so gut es geht zu ersetzen. Tofu liefert uns dabei nicht die fehlenden Grundbausteine unserer Ernährung, er ist vielmehr reich an Eisen, Vitamin B6 und Kalcium. Außerdem ist er glutenfrei und soll wohl unser Gedächtnis unterstützen.8 Für viele Vegetarier*innen und Veganer*innen ist der Tofu in Kombination mit eiweißhaltigen, pflanzlichen Lebensmitteln wie Linsen daher eine gute Alternative. Insbesondere bei der veganen Lebensweise sollte allerdings das Vitamin B12 durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, dieses Vitamin kommt nämlich nur in tierischen Produkten wie Fleisch, Quark und Käse vor. Als wohl positivster Nebeneffekt des Verzichts auf Fleischprodukte wird natürlich der Verzicht auf das Töten und Essen von Lebewesen gesehen.

Fleisch muss sein (?!) – Welche Sorte ist am klimafreundlichsten?
Wer gar nicht auf Fleisch verzichten kann sollte sich mit den verschiedenen Sorten vertraut machen. Rindfleisch liegt im Vergleich zu Schwein und Geflügel in der Liste der größten Klimasünder im Bereich Lebensmittel nämlich auf Platz 2 und reiht sich damit hinter dem Klimakiller Butter ein (23,8 kg CO2 pro kg). Die beiden anderen reihen sich auf Platz 6 ein. Beim Wasserverbrauch liegen sowohl das Schweinefleisch mit 6000l pro kg als auch das Geflügel (beispielsweise Hühnerfleisch) mit 4.400l Wasser pro kg deutlich hinter dem Rind. Doch auch hier ist zu beachten, wie viele Umweltschäden die Versorgung, vor allem die Fütterung zur Aufzucht der Tiere verursacht. Insgesamt wird die Ökobilanz von Schweinefleisch und Geflügel allerdings nur auf 3,4kg CO2 pro kg Fleisch geschätzt. Damit liegt sie deutlich unter dem zuvor genannten Wert des Rindfleischs. Wer also hin und wieder doch nicht ganz auf den Konsum von Fleisch verzichten kann, könnte vielleicht eher zu weniger klimaschädlichen Sorten greifen. Außerdem ist hier vor allem auch die Qualität entscheidend, Bio-Produkte aus artgerechter Haltung und bestenfalls aus der Region können den durchschnittlichen CO2-Ausstoß um 5 bis 25 Prozent verringern.4

PRIO1-Klimakochen am 17.11.
Ihr interessiert euch für das Thema nachhaltige Ernährung oder kocht einfach gerne? Ihr habt Lust, ein neues Rezept auszuprobieren? Wir haben das perfekte Abendprogramm für euch!

Am Mittwoch den 17.11. findet ab 18 Uhr unser PRIO1-Klimakochen statt. Gemeinsam verbringen wir einen gemütlichen Abend in den eigenen vier Wänden und sorgen für die richtige Verkostung.
Wir haben ein leckeres Herbstgericht ausgewählt – ganz nach dem Motto saisonal und vegan im Herbst. Das Rezept findest du auf unserem Instagram Account.

Falls euch die Infos aus dem Blogpost noch nicht genügen, haben wir auch dort spannende Informationen zur Ökobilanz unseres Gerichts. So lernt ihr nicht nur neue Leute und ein neues Gericht kennen, sondern könnt zusätzlich etwas dazulernen.

Die Teilnahme ist kostenlos und ganz einfach:
Die einzige Voraussetzung ist das Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Über den Link https://prio1-klima.net/veranstaltung/community-kochen/ könnt ihr euch ganz einfach zuschalten.
Mehr Infos? Die findet ihr hier: https://prio1-klima.net/blog/2021/prio1-klimakochen-am-17-11/



(1) https://www.boell.de/de/2021/01/06/fleischkonsum-weltweit-alltagsessen-und-luxusgut
(2) https://www.regenwald-schuetzen.org/verbrauchertipps/soja-und-fleischkonsum/wie-viel-fleisch-pro-woche
(3) https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/produkte/oekobilanz
(4) https://www.oekotest.de/essen-trinken/Rindfleisch-nur-auf-Platz-2-Diese-Lebensmittel-sind-die-schlimmsten-Klimakiller-_600836_1.html
(5) https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/16337-rtkl-ernaehrung-und-nachhaltigkeit-ist-tofu-schlecht-fuer-die-umwelt
(6) https://www.vitamin-b12-ratgeber.com/vitamin-b12-funktionen-im-koerper.html?gclid=EAIaIQobChMI8Nu0jJ2R9AIVUeh3Ch0dvwVeEAAYASAAEgLz8_D_BwE&gclsrc=aw.ds
(7) https://www.nutrineo.com/health-food-blog/proteine-wofuer-sind-sie-gut/
(8) https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/tofu-seitan-tempeh-so-gesund-ist-fleischersatz-aus-soja-und-weizen-a-1009480.html

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  • Marie Klaehn

    Werkstudentin

    Marie ist Werkstudentin und seit Mitte Dezember Teil des Projektteams von PRIO1. Als sie von der freien Stelle erfuhr, war ihr sofort klar, dass sie bei diesem Projekt unterstützend mitwirken möchte. Neben ihrem Job bei PRIO1 studiert Marie selbst noch und spielt leistungsorientiert Basketball. Daher liegt ihre Leidenschaft für den Sport und gesunde und vor allem nachhaltige und vegetarische Ernährung nahe. Marie ist der Meinung, dass sich gerade junge Menschen wie sie für den Klimaschutz einsetzen sollten. Die jüngeren Generationen sind schließlich diejenigen, die ansonsten mit den Folgen des Klimawandels leben müssten. Sie glaubt, dass wir jetzt die Weichen für unsere Zukunft stellen sollten und das gemeinsam am besten funktionieren wird.

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  • Nils

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