
Zwischen Downcycling und Kreislaufwirtschaft: Nachhaltige Ansätze bei Fußballtrikots
Die Relevanz von Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz hat längst die Managementetagen des europäischen Profifußballs erreicht.[1] Angesichts einer riesigen globalen Reichweite und enormen Lieferketten steht der Sport unter zunehmendem regulatorischen und gesellschaftlichen Druck. Das wohl emotionalste Konsumgut im Fanshop – das Fantrikot – dient hierbei immer öfter als Schaufenster für ökologische Versprechen. Doch ein Blick hinter die Kulissen einiger Projekte wie bei Adidas zeigten: Zwischen Werbeversprechen und echtem Umweltschutz liegt noch ein weiter Weg.[2]
Die DFL macht Ernst: Ökologische Kriterien in der Lizensierung
Nachhaltigkeit im Profifußball basiert heute nicht mehr ausschließlich auf Freiwilligkeit oder PR-Aktionen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bereits weitreichende verpflichtende Nachhaltigkeitsrichtlinien in ihrer Lizenzierungsordnung verankert. Diese zwingt die Vereine der 1. und 2. Bundesliga dazu ihre Treibhausgasemissionen zu messen und Pläne für ein besseres Ressourcenmanagement zu etablieren. Auch auf internationaler Ebene, beispielsweise bei der UEFA, gewinnen ökologische Vergabekriterien immer mehr an Gewicht.[3]
Das Problem mit der Plastikflasche: Warum rPET oft nur Downcycling ist
Das am häufigsten genutzte Argument großer Sportausrüster für „grüne“ Sportbekleidung ist die Verwendung von recyceltem Polyester (rPET). Die dafür notwendigen Rohstoffe stammen überwiegend aus geschredderten PET- Getränkeflaschen. In Nachhaltigkeitsnetzwerken wird dieses Verfahren jedoch zunehmend kritisch diskutiert, da es sich streng genommen um ,,Downcycling“ handelt. Die Plastikflaschen werden aus dem Kreislauf der Lebensmittelindustrie (Flasche-zu-Flasche) herausgenommen. Sie werden zu einem Trikot verarbeitet, das nach der Nutzung fast immer im normalen Restmüll landet, weil es nicht weiterrecycelt werden kann.[4]
Echter Kreislauf statt Alibi-Recycling: Diese zwei Vereine gehen voran
Dass eine echte textile Transformation möglich ist, zeigen innovative Pilotprojekte, die weit über klassisches Marketing herausgehen.
FC Internationale Berlin etablierte in Zusammenarbeit mit dem Nachhaltigkeitslabel „Runamics“ das europaweit erste „Cradle-to-Cradle“- Fußballtrikot. Hierbei wurde das Trikot im Vorfeld so designt, dass es nach der Nutzung entweder biologisch abbaubar oder chemisch sortenrein zu neuen Textilfasern recycelt werden kann. Es ist komplett frei von toxischen Zusatzstoffen wie Antimontrioxid, welches sonst oft in Polyester steckt.[5]
Der FC St.Pauli ging zunächst den Weg der Eigenproduktion und stellte Trikots über die eigene nachhaltige Marke DIIY her. Inzwischen arbeitet der Verein mit dem Ausrüster PUMA zusammen und nutzt dessen ,,RE:FIBRE“-System. Dabei wird echter Textilmüll, wie Fabrikabfälle und Altkleider gesammelt. Diese werden chemisch in ihre Grundbausteine zerlegt und zu neuen, qualitativ hochwertigen Trikots versponnen.[6]
Doch selbst bei Recycling-Klamotten lauert ein unsichtbares Problem, wie ein Bericht der Tagesschau zeigt. Der Mikroplastikforscher Sedat Gündogdu warnt dort vor Kleidung aus rPET: Weil das Recycling die Qualität der Fasern schwächt, geben diese Stoffe beim Waschen bis zu 55 Prozent mehr schädliches Mikroplastik ab als komplett neue Kunstfasern.[7]
Die Sportbekleidungsindustrie steht also vor einer systematischen Wende. Solange Marken das Recycling von Einwegplastik als perfekte Lösung verkaufen, bleibt der ökologische Fußabdruck der Vereine hoch. Erst wenn der Fußball auch beim Umweltschutz endlich in die Offensive geht, wird er seiner Vorbildrolle wirklich gerecht.
[1] https://report.bundesliga.de/2425/de/aktuelle-berichte/nachhaltigkeitsreport.html, 20.10.26
[2] https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/recherche-ergebnisse-von-zdf-und-flip, 22.10.26
[3] DFL Nachhaltigkeitsrichtlinie (Anhang XIV zur LO), 20.10.26
https://www.dfb.de/news/detail/nachhaltigkeitsrichtlinien-das-sind-die-wichtigsten-infos-260739, 21.10.26
[4]https://initiative-frosch.de/adidas/, 25.10.26
[5]https://www.runamics.com/blogs/the-concious-runner/das-trikot?srsltid=AYCX9vLFoATVb3MUrf0XC0YNx1_yFkCTTpYp8A735pBFuIeajg8EYpdz, 22.10.26
[6] https://about.puma.com/de/circularity/refibre, 24.10.26
[7] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/studie-recyceltes-polyester-100.html, 27.10.26