Blog

24.04.2026Aline Geißler

Der Preis unserer Kleidung: Was wir aus Rana Plaza lernen müssen

Wir tragen sie jeden Tag, doch nur selten fragen wir uns, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung entsteht. Hinter günstiger Mode stehen oft prekäre Arbeitsbedingungen und fehlender Schutz für die Menschen, die sie herstellen. Der Einsturz von Rana Plaza im Jahr 2013 machte auf tragische Weise sichtbar, dass sich dringend etwas ändern muss. Die Hintergründe zu Rana Plaza und was sich verändert hat bzw. noch verändern muss, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Was ist in Rana Plaza passiert?

Heute vor 13 Jahren – am 24.04.2013 – kam es in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch zu einer der schwersten Katastrophen der Textilindustrie: Der achtstöckige Gebäudekomplex Rana Plaza stürzte ein und begrub tausende Menschen unter den Trümmern. In dem Gebäude arbeiteten über 5000 Menschen in mehreren Textilfabriken, die Kleidung für den Export produzierten, unter anderem für internationale Modeunternehmen wie Primark, Benetton oder Mango sowie auch für deutsche Firmen wie KiK und Adler. Die Folgen waren verheerend. Mehr als 1100 Menschen verloren ihr Leben, über 2000 wurden verletzt. Besonders tragisch ist, dass bereits am Tag zuvor schwere Risse im Gebäude entdeckt worden waren. Dennoch wurden viele Arbeiter*innen gezwungen, ihre Arbeit fortzusetzen. [1]

Zudem hatte das Unglück auch langfristige soziale Folgen. Viele Familien verloren ihre Existenzgrundlage, da zahlreiche der verunglückten Näherinnen die Hauptverdienerinnen der Familie waren. Gleichzeitig fehlte es an jeglicher sozialer Absicherung, z.B. durch Versicherungen, sodass Betroffene und ihre Angehörigen ohne Unterstützung zurückblieben. [1]

Warum ist das passiert?

Missachtung von Sicherheitsrisiken und bewusste Gefährdung der Arbeiter*innen:

Obwohl bereits vor dem Einsturz deutliche Schäden am Gebäude sichtbar waren, wurde die Produktion nicht gestoppt. Stattdessen mussten die Beschäftigten weiterhin zur Arbeit erscheinen, obwohl das Gebäude als unsicher galt. Die Entscheidung, den Betrieb trotz dieser Warnzeichen fortzuführen, trug maßgeblich zur Katastrophe bei. [2]

Strukturelle Probleme: schwache Gesetze, wirtschaftliche Interessen und Druck auf Arbeiter*innen

Die Katastrophe ist auch Ausdruck grundlegender Probleme im System: unzureichende gesetzliche Vorgaben, enge Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft sowie ein hoher Druck auf die Beschäftigten. Diese Bedingungen führten dazu, dass Sicherheitsstandards vernachlässigt wurden und Arbeiter*innen gezwungen wurden, unter gefährlichen Umständen zu arbeiten. [2]

Was hat sich seitdem verändert?

Teilweise Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Löhnen

Nach der Katastrophe gab es Investitionen in den Arbeitsschutz, die teilweise von internationalen Unternehmen mitfinanziert wurden. Außerdem ist der Mindestlohn in der Textilindustrie gestiegen und in einigen Betrieben wurden grundlegende Versorgungsleistungen für Beschäftigte eingeführt. [2]

Fortbestehende strukturelle Probleme

Trotz dieser Fortschritte bleiben viele Herausforderungen bestehen: Die gesetzlichen Regelungen gelten weiterhin als unzureichend, Arbeitsdruck und fehlender Kündigungsschutz sind nach wie vor Realität und grundlegende Rechte der Arbeiter*innen werden nicht konsequent umgesetzt. Auch politische und wirtschaftliche Zusammenhänge erschweren nachhaltige Veränderungen. [2]

Fashion Revolution Week

Als Gedenken an Rana Plaza findet jedes Jahr rund um den 24. April die Fashion Revolution Week statt. Die Kampagnenwoche dauert 7 Tage und ist gefüllt mit Aktionen rund um ein gerechtes und faires Modesystem. Auch in Heidelberg gibt es Veranstaltungen im Rahmen der Fashion Revolution Week, zum Beispiel Workshops, Kleidertauschbörsen, Flohmärkte oder Fashion Shows. [3]

Schau auch du bei dem ein oder anderen Event vorbei und sei stark für eine gerechte Modeindustrie!

[1] https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/268127/vor-fuenf-jahren-textilfabrik-rana-plaza-in-bangladesch-eingestuerzt/

[2] https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/bangladesch-zehn-jahre-rana-plaza-unglueck-textilindustrie-arbeitsbedingungen

[3] https://www.fashionrevolutiongermany.de/fashion-revolution-week

Bildquelle: Canva

Aline Geißler

Projektteam PRIO1 - Das Klima-Netzwerk

Aline ist Werkstudentin im Projektteam von PRIO1. Aktuell studiert sie im Master Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dafür ist sie von Erlangen nach Heidelberg gezogen und engagiert sich seitdem in verschiedenen Projekten für Klimaschutz und globale Gerechtigkeit. Besonders viel Spaß bereitet ihr Social Media, was sie jetzt auch bei PRIO1 einbringt. Außerdem nutzt sie gerne ihr privates und berufliches Netzwerk, denn nur gemeinsam können wir Klimaschutz voranbringen.

Kontaktiere für:

Organisation / Social Media / Blog / Community

hallo@prio1-klima.net

Weitere Beiträge

Warum Insekten so wichtig sind

Der Frühling ist da. Die ersten Sonnenstrahlen, blühende Bäume, summende Bienen – alles fühlt sich lebendig an. Doch warum sind Insekten so wichtig für die Biodiversität und warum sind sie...

Wie sehen die Städte der Zukunft aus?

Unter den 17 Nachhaltigkeitszielen befindet sich unter anderem das Ziel 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden. Stadtentwicklung ist also ein essenzieller Teil von nachhaltiger Entwicklung. Dabei spielen Städte in allen drei...

Projektträger von PRIO1 ist die Klimastiftung für Bürger. Initiatoren und Förderer sind die Dietmar Hopp Stiftung gGmbH und die Klaus Tschira Stiftung gGmbH. Der Rhein-Neckar-Kreis ist Partner von PRIO1.

Projektträger

Initiatoren und Förderer

Initiatoren und Förderer

Partner