Wie stehen Emotionen und umweltschützendes Verhalten in Verbindung?
Emotionen beeinflussen unser Denken und unser Handeln und man kann vermuten, dass Emotionen auch in Verbindung mit umweltschützendem Verhalten stehen. Wie genau Emotionen unser umweltschützendes Verhalten beeinflussen und wie die Forschungslage dazu aussieht, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.
Zusammenhang von Emotionen und Verhalten
Um zu verstehen, wie Gefühle und umweltfreundliches Verhalten zusammenhängen, hilft es, zwischen der hedonischen (Verhalten mit angenehmen Emotionen wird bevorzugt) und der eudaimonischen (moralisch bedeutsames Verhalten wird bevorzugt) Sichtweise zu unterscheiden [1]. Bezogen auf umweltschützendes Verhalten ist also die Eudaimonie besser, da die moralischen Werte über den eigenen Werten stehen.
Moralisch bedeutsames Verhalten löst eine positive Selbstwahrnehmung aus, die sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Dadurch entsteht der sogenannte „Virtuous Cycle des positiven Affekts“ (siehe Abbildung 1). Umweltschützendes Verhalten löst einen erlebten positiven Affekt aus, der zu dem erwarteten positiven Affekt führt, welcher dann wiederum zukünftiges umweltschützendes Verhalten auslöst. Dieser Kreislauf wird aufrechterhalten, indem sowohl das angenehme Verhalten als auch das bedeutsame Verhalten erhöht werden.
Doch nicht immer hängt umweltschützendes Verhalten mit positiven Emotionen zusammen. Auch Emotionen wie Angst, Ärger oder schlechtes Gewissen spielen eine Rolle. Wie genau sich diese auswirken, wird in unterschiedlichen Studien untersucht.
Es zeigt sich, dass sowohl Angst als auch Ärger zu umweltschützendem Verhalten führen können, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. Während Angst häufig zu Rückzug oder einer Begegnung der Bedrohung führt, löst Ärger eher die Bereitschaft zum Protest aus [2].
Auch Schuldgefühle können zu umweltschützendem Verhalten beitragen. Durch das Mitverantwortlichkeitsgefühl haben wir das Bedürfnis, unsere Schuld wiedergutzumachen [2].
Positive Emotionen und umweltschützendes Verhalten
Der Hedonismus möchte positive Emotionen erleben und negative Emotionen vermeiden. Deswegen ist es wichtig, zu untersuchen, welche positiven Emotionen in Verbindung mit umweltschützendem Verhalten stehen. Vor allem Hoffnung zeigte sich meistens als positive Grundlage für umweltschützendes Verhalten. Das zeigt eine Metaanalyse [3]. Dort wurden verschiedene Arten von Hoffnung gemessen, beispielsweise die Hoffnung sich engagieren zu können, oder die Hoffnung durch erhaltene Botschaften. Wie diese erhaltenen Botschaften aussehen können zeigt die Unterscheidung zwischen konstruktiver Hoffnung (positive Aussichten darauf, Einfluss auf die Welt zu nehmen) und falscher Hoffnung (Realitätsverweigerung durch unrealistische Ziele) [4]. Ein Beispiel für konstruktive Hoffnung ist: „Ich kann den Ressourcenverbrauch und damit den CO2-Auststoß verringern, indem ich weniger neu kaufe“. Ein Beispiel für falsche Hoffnung ist: „In der Zukunft wird es eine Technologie geben, die den CO2-Ausstoß so sehr verringert, dass wir keine weiteren Maßnahmen ergreifen müssen.“ Die falsche Hoffnung kann also auch dazu führen, Klimawandelfolgen weniger ernst zu nehmen oder weniger umweltfreundlich zu handeln. Es ist also wichtig, sich realistische Ziele zu stecken, damit keine falsche Hoffnung entsteht und sich stattdessen die konstruktive Hoffnung bewahrheiten kann.
So bekommst du Hilfe mit selbsterlebten Emotionen zur Klimakrise
Emotionen können überwältigend sein und teilweise sogar lähmen. Damit bist du nicht alleine! Wenn du Hilfe suchst, dann gibt es Anlaufstellen, die sich mit genau diesem Thema beschäftigen:
Psychologists/Psychotherapists for Future (Psy4F): https://www.psy4f.org/
Institut für Klimapsychologie: https://institut-klimapsychologie.de/
Quellen
[1] Taufik, D. & Venhoeven, L. (2019). Emotions and pro-environmental behaviour. In L. Steg, & J. I. M. de Groot (Eds.). Environmental Psychology: An Introduction (pp. 189-197). Wiley.
[3] Geiger, N., Dwyer, T., & Swim, J. K. (2023). Hopium or empowering hope? A meta-analysis of hope and climate engagement. Frontiers in Psychology, 14, Article 1139427. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1139427
[4] Ojala, M. (2023). Hope and climate-change engagement from a psychological perspective. Current Opinion in Psychology, 49, 101514.
Aline ist Werkstudentin im Projektteam von PRIO1. Aktuell studiert sie im Master Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dafür ist sie von Erlangen nach Heidelberg gezogen und engagiert sich seitdem in verschiedenen Projekten für Klimaschutz und globale Gerechtigkeit. Besonders viel Spaß bereitet ihr Social Media, was sie jetzt auch bei PRIO1 einbringt. Außerdem nutzt sie gerne ihr privates und berufliches Netzwerk, denn nur gemeinsam können wir Klimaschutz voranbringen.
Im November 2025 war es wieder Zeit für die Public Climate School (PCS) – eine bundesweite Aktionswoche rund um Klimaschutz. Die PCS bringt Klimabildung in Schulen, Hochschulen und Gesellschaft und...
Projektträger von PRIO1 ist die Klimastiftung für Bürger. Initiatoren und Förderer sind die Dietmar Hopp Stiftung gGmbH und die Klaus Tschira Stiftung gGmbH. Der Rhein-Neckar-Kreis ist Partner von PRIO1.