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26.01.2024Mareike Wangemann

Grönland-Eis

Wie steht es um den Grönländischen Schild und seine Bewohner*innen?

Wie entwickelt sich der Grönländische Eisschild?

Der Grönländische Eisschild bedeckt etwa 84% von Grönland[1], der größten Insel der Welt. Doch er ist in Gefahr: Forscher*innen zufolge erwärmt er sich doppelt so schnell wie die niederen Breiten (liegen zwischen den Wendekreisen nördlich und südlich des Äquators, z.B. reicht er von Süddeutschland über den Mittelmeerraum bis nach Afrika[2])[3]und viermal so schnell wie der Rest der Welt[4]. Wie geht es den dortigen indigenen Völkern, den Inuit, damit?

Grund für diese starke Erwärmung, auch „arktische Verstärkung“[4] genannt,ist der sogenannte Albedo-Effekt: Das Eis, eine helle Fläche, reflektiert die Sonneneinstrahlung, das heißt, es wirft sie wieder zurück ins Weltall. Durch die Erderwärmung schmilzt aber immer mehr Eis ab. Was bleibt ist das Gestein von Grönland. Das Eis, das auf dem Meerwasser schwimmt, schmilzt zu Wasser. Übrig bleibt in beiden Fällen eine Fläche, die dunkler ist als die Eisfläche. Diese Fläche absorbiert die Sonneinstrahlung, das heißt, sie nimmt sie auf und wandelt sie in Wärme um, wodurch wiederum noch mehr Eis abtaut. Dieser Prozess verstärkt sich also von selbst und wird daher als „positive Rückkopplung“[4] bezeichnet. Aus diesem Grund ist die Eisschmelze des Grönländischen Schilds einer von 14-16 Kipppunkten, sogar ein sehr entscheidender, auf der Welt.[5] Ist dieser Kipppunkt erreicht, ist es nicht mehr zu verhindern, dass der Rest des Arktischen Eisschildes taut. Würde das Eis der kompletten Arktis, inklusive Grönland, tauen, würde der Meeresspiegel um bis zu 7 Meter ansteigen. Das hätte sogar Auswirkungen auf unser Leben in Deutschland: nördliche Städte wie Hamburg, Bremen und Bremerhaven würden unter Wasser stehen.

Wie sind Menschen vor Ort betroffen?

In Grönland leben etwa 3500 Inuit. Sie leben in kleinen Dörfern weit abseits von jeglicher Zivilisation und sind Selbstversorger*innen. Ihre Häuser sind auf den Permafrostböden mit Stelzen befestigt, wenn das Eis brüchig wird und abschmilzt, werden die Häuser instabil und oft nicht mehr bewohnbar.

Ursprünglich waren die Inuit Selbstversorger*innen, sie haben Robben und Fische gejagt. Wegen der Kälte sind sie auf besonders fettige, energiereiche Nahrung angewiesen. Doch durch den Klimawandel finden Robben und Fische keine Nahrung mehr und die Menge an Tieren geht zurück. Die Lebensgrundlage der Inuit ist also gefährdet.

Ein weiterer Konflikt ist absehbar: wenn die Arktis taut, verändert sich die wirtschaftliche Situation auf der ganzen Welt. Der „Nördliche Seeweg“, ein Teil der Nordostpassage, ist heute länger mit dem Schiff befahrbar[6]: Er ist schon heute im Sommer eisfrei.[7] Prognosen zufolge soll die Nordostpassage ab 2040 sogar ganze neun Monate lang befahrbar sein.[8] Wirtschaftlich gesehen ist das von Vorteil: die Strecke von Hamburg nach Shanghai ist über den Suez-Kanal 1,5 Mal länger als über die Nordostpassage.[8] Und dieser Vorteil wird auch genutzt: zwischen 2015 und 2020 sind rund 150 Frachter über die Nordostpassage gefahren.[8] Außerdem erleichtert das tauende Eis es Russland die Bodenschätze auszubeuten.[6] Aber durch den Angriffskrieg in der Ukraine bekommt Russland international Sanktionen zu spüren, was China für sich nutzen und die Rohstoffe selbst ausbeuten möchte. [6]Was die nächste Frage aufwirft: Wem gehört diese Handelsroute?[6]

Bei der Frage, ob man die Rohstoffe in der Arktis weiter ausbeuten darf oder nicht, sind die Inuit nicht alle der gleichen Meinung – manche von ihnen sehen Vorteile in der Ausbeutung der fossilen Bodenschätze: sie hoffen auf bessere soziale Bedingungen und darauf, endlich vollständig unabhängig von Dänemark zu sein. [9] Geographisch gesehen gehört Grönland zwar zu Nordamerika[10] – doch außenpolitisch ist es ein Teil Dänemarks.[9] Das kommt noch aus Kolonialzeiten vor 300 Jahren.[11] Für eine vollständige Unabhängigkeit fehlt es aber an Geld – was sich viele Grönländer*innen, darunter auch Inuit, durch den Handel mit ihren Bodenschätzen erhoffen zu bekommen.[9] Andere Inuit stellen sich dagegen: mit der Rohstoffgewinnung wird die Natur und somit die Lebensgrundlage der Inuit zerstört: [12] Pipelines liegen in der Nähe von Inuit-Dörfern, durchkreuzen hunderte Flüsse und sind oft nicht ausreichend gegen Lecks gesichert.[12] Untersuchungen zufolge leben Inuit, die in der Nähe der Bohrstätten wohnen, mit einem höheren Risiko Krebs zu bekommen.[12]

Leider wird in der Regierung zu wenig über die Sorgen der Inuit gesprochen.[9] Die Sozialsysteme der Inuit sind schlecht: der Gesundheitszustand liegt unter dem nationalen Durchschnitt und die Ausbildung ist schlecht.[9]

Fazit

Das Grönländische Schild taut immer weiter – mit verheerenden Folgen: der Meeresspiel steigt an und bedroht Menschen und Tiere. Viele Tiere in der Arktis, wie der Eisbär, finden nicht mehr genug zu fressen und sind gefährdet. Gleichzeitig versuchen viele Länder auf der Welt an die fossilen Bodenschätze (v.a. Erdöl und Erdgas) zu kommen. Die Bohrungen vor Ort bedrohen Menschen und Tiere. Auch Deutschland kauft diese Bodenschätze – z.B. zum Heizen, zum Autofahren und zur Energiegewinnung.[12] Es ist daher wichtig, dass wir unabhängiger von ihnen werden und die erneuerbaren Energien und die E-Mobilität entscheidender wird. Noch ist nichts verloren – wir können alle etwas tun: z.B. indem wir statt mit dem Auto mit Bus und Bahn fahren oder zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln. Es liegt an uns: fordern wir zusammen die Politik auf, die Energiewende voranzubringen, für globale Gerechtigkeit und die Bewahrung unserer Erde.


[1] https://www.klimareporter.de/erdsystem/groenland-eisschild-stabiler-als-gedacht

[2] https://www.spaceweatherlive.com/de/hilfe/die-niederen-mittleren-und-hoheren-breiten.html

[3]https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Klima%C3%A4nderungen_in_den_Polargebieten#cite_note-Blunden_2016-1

[4] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-erwaermung-in-arktis-fast-viermal-schneller-als-weltweit-a-454be6e1-8a3a-4ffe-ad3c-13a684206822

[5] https://www.br.de/nachrichten/wissen/klima-kipppunkte-was-bringt-das-konzept-der-kippelemente,TmtVkqI

[6] https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/artikel/detail/-/content/der-schmelzende-schild

[7] https://www.mdr.de/wissen/meereis-im-juli-noch-nie-so-duenn-klimawandel-schmelze100.html

[8] https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/nordostpassage-100.html#:~:text=Ab%202040%2C%20so%20die%20Prognosen,noch%20k%C3%BCrzer%20als%20die%20Nordostpassage.

[9] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/33511/die-traditionellen-arktis-bewohner-und-der-klimawandel/

[10] https://www.hanseatreisen.de/inspiration/10-fakten-ueber-groenland#:~:text=Obwohl%20Gr%C3%B6nland%20geographisch%20zum%20nordamerikanischen,autonomer%20Bestandteil%20des%20K%C3%B6nigreiches%20D%C3%A4nemark.

[11] https://www.sueddeutsche.de/politik/groenland-arktis-usa-china-1.5292283

[12] https://www.gfbv.de/fileadmin/redaktion/Reporte_Memoranden/2006/1206arktisreport.pdf

Mareike Wangemann

Projektteam PRIO1 – Das Klima-Netzwerk

Mareike ist von Beginn an bei PRIO1 dabei und organisiert und managt alle größeren und kleineren Aufgaben, die bei dem Klima-Netzwerk anfallen. Als sie von PRIO1 erfuhr, war ihr klar, dass sie dieses Projekt mit aufbauen möchte. Nachdem Mareike zum Studium nach Heidelberg gekommen war, wollte sie gar nicht mehr weg. Deswegen ist sie einfach dort geblieben. Wenn sie nach einer langen Woche den Kopf frei bekommen möchte, joggt sie am Neckar entlang ins Wochenende. Mareike ist der Meinung, dass Klimaschutz und Diskussion immer zusammengehören. Nur mit vielen unterschiedlichen Ideen können gemeinsam gute Lösungen für die Herausforderungen der Klimakrise gefunden und zusammen eine neue Zukunft gestaltet werden!

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